FÜNF FRAGEN AN DEIN LEBEN // ANNA TRÖKES

Anna Trökes, 62 Jahre, unterrichtet seit 1974 Yoga und gehört zu den hervorstechendsten deutschen Yogalehrern. Sie hat in den letzten 10 Jahren über 30 Bücher, CDs und eine Dvd zum Thema Yoga veröffentlicht. Anna lehrt seit 1983 für den BDY (Berufsverband der Yogalehrenden Deutschlands), leitet Kurse, Seminare und unterrichtet auch auf diversen Retreats. Sie lebt mit Ihrem Mann, ihrem Hund und ihrer Katze in Berlin.

Was beschäftigt dich gerade?

Mich beschäftigt gerade die allgemeine politische Situation mit den vielen Flüchtlingen und die kontroverse Diskussion dazu in Deutschland. Ich habe heute im Tagesspiegel einen Kommentar dazu gelesen, der mir ziemlich gut gefallen hat. Der Kommentator sagte, dass er beobachtet, wie die Zustimmung für die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel abnimmt und er teilte mit, dass es nur noch 41% sind, die das gut finden. Er betonte aber, dass er zu 100% zu diesen 41% gehöre. Ich habe mir heute Morgen gedacht: Ja, ich auch. Und er beschrieb dann auch, wie gerade Stimmung / Meinung gemacht wird im Land. Ich verstehe mich als Yogalehrerin auch als eine politische Person. Gerade, weil ich auch in der Öffentlichkeit bin. Ich möchte dazu immer gerne Stellung beziehen, und dachte mir, es ist wirklich wichtig, dass ich auf solche Inhalte eingehe und sie in vielen Kontexten immer wieder benenne und es natürlich auch in meinen Yogaunterricht einfließen lasse.

Da wir ja gerade hier auf Korfu sind (Anmk. der Redaktion: das Interview wurde beim YogaEasy Allstars Retreat durchgeführt, das auf Korfu stattgefunden hat), beschäftigt mich auch sehr, was mit allen Katzen wird, wenn hier die Touristen weg sind? 

Ich stelle mir vor, die haben einen echt harten Winter vor sich. Die Menschen hier natürlich auch, wenn ihre Einnahmequelle verschwunden ist. Ich habe gerade viel mit meinem Mann darüber nachgedacht, und darüber gesprochen, was das eigentlich für ein Wahnsinn ist? Einen Tourismus auf sechs Monate anzulegen? Und dann sechs Monate zu zu machen. Es ist ja nicht so, dass sich dann dabei die Insel erholt. Sie verfällt dann ja eher so in eine Art Winterschlaf. Das ist eigentlich so für alle nicht günstig. Alles immer wieder hochzufahren und dann wieder runterzufahren. Das ist ökonomisch und ökologisch irgendwie verrückt. Darüber denken wir gerade aktuell nach. 

Und so im Hintergrund beschäftigt mich sehr gerade mein aktuelles Buchprojekt. Ich schreibe gerade ein Buch  zusammen mit Dr. Bettina Knothe zusammen über Yoga und die Neurobiologie des Glücks. Das beschäftigt mich, weil es da viele Sachen gibt, die mir sehr viel Sorgen machen könnten und ich weiß, wenn ich mich von den Sorgen schnappen lasse, dann geht mir ganz viel Energie verloren. Und ich möchte in meiner Energie bleiben, um mich der Lösung dieser Probleme zu widmen. Damit das, was mich beschäftigt und mich belastet nicht bremst. Um damit besser umgehen zu können brauche ich den Yoga, aber auch die positiven Gedanken aus der Psychologie.

Was war dein größter Fehler?

Ich habe mal jemanden auf eine sehr unschöne Art und Weise für jemand anders verlassen und ihn so aus meinem Leben rausgeschubst. Jetzt kann ich ihn leider nicht mehr auffinden und mich bei ihm entschuldigen. Das belastet mich. Ich versuche mich dann im Geiste bei ihm zu entschuldigen und hoffe, dass ihn das erreicht.

Wo findest Du deine Inspiration?

Ich finde meine Inspiration immer im Yoga, und zwar in den dortigen Quellentexten, aber auch in der Begegnung mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Ich selber gehe noch ganz viel, und sehr gerne in den Unterricht. Ich bin begeisterte Schülerin, seit über vierzig Jahren. Und in der Verbindung von Yoga und den Neurowissenschaften, dort finde ich auch sehr viel Inspirationen.

In welchen Momenten fühlst Du dich lebendig?

Da fällt mir als erstes ganz spontan ein, wenn ich mit meinem Hund unterwegs bin. Oder, wenn ich in der Interaktion mit meinen geliebten Kätzchen bin. Oder überhaupt mit lebendigen Wesen. Dann fühle ich mich besonders lebendig. In der Natur. In der Begegnung mit Menschen. In der Yogapraxis, im Unterrichten. Ja, ganz viele Situationen. Es gibt eigentlich fast keine Momente, wo ich mich nicht lebendig fühle. Es gibt mal so kleine Hänger, weil ich ursprünglich mal so ein ganz depressives Naturell hatte, dann schnappt mich das ab und zu mal. Aber das ist ganz selten. 

Würdest Du gerne noch einmal eine Phase Deines Lebens wiederholen?

Ja. Aber die Gründe dafür möchte ich nicht nennen.

Liebe Anna, herzlichen Dank für diese offenen Worte.

 

Mehr über Anna könnt ihr hier erfahren: http://www.prana-yogaschule.de

Nächste Termine mit Anna: 

  • Rosenwaldhof (Burnout-Prophylaxe 01.-05.05.2016 ) 
  • Soami, Kärnten (Meditation als ein Weg aus Anspannung und Stress. 28.08. -03.09.2016) 
Top