FÜNF FRAGEN AN DEIN LEBEN // KRISTIN RÜBESAMEN

Kristin Rübesamen, ist Yogalehrerin, Journalistin und Autorin. 
Für Deutschlands größte und bekannteste Yoga Online Plattform YogaEasy ist sie als Chefredakteurin tätig. Ihre Yogaausbildungen hat sie persönlich bei den Begründern des Jivamukti Yoga, Sharon Gannon and David Life, sowie bei Cyndie Lee (OM Yoga) absolviert. Sie hat über ein Jahrzehnt in New York und London gelebt, bis sie mit ihrer Familie nach Berlin gezogen ist. Unter anderem hat sie die Bücher „Alle sind erleuchtet“, „Das Yoga ABC“ und „Great Yoga Retreats“ herausgebracht.

WAS BESCHÄFTIGT DICH GERADE?

Der Rechtsruck bei uns in Deutschland. Ich lese viel Zeitung und versuche zu verstehen, was passiert. Ich habe letztes Jahr den Kopf in den Sand gesteckt, weil die Nachrichten von Krieg und Terror zu schlimm waren, aber wem hilft das? Über 100.000 ehemalige Nichtwähler haben gerade in Baden-Württemberg bei den Landtagswahlen die AfD gewählt, sie hatten wohl Sehnsucht nach einfachen Antworten in einer komplizierten Welt. Dass so viele Leute darauf anspringen, wenn eine Partei versucht, die Schwächsten gegen die Schwachen auszuspielen, ist fatal. Ich hatte bereits letzten Sommer ein etwas klammes Gefühl, als alle das „Willkommens“-Fieber bekamen. Es war klar, dass das ins Gegenteil umschlagen würde. Als Yogi sind mir Extreme suspekt, ich hoffe, dass sich die wacklige Mitte unserer Gesellschaft wieder festigt.

WAS WAR DEIN GRÖSSTER „FEHLER“, ODER EINE WIRKLICH SCHWERE FEHLENTSCHEIDUNG IN DEINEM LEBEN?

Komisch, es hat sich nie so angefühlt, als hätte ich wohlüberlegte Entscheidungen getroffen. Das Meiste passierte einfach irgendwie. Eine ganze Reihe von „Entscheidungen“ würde ich dennoch heute anders treffen, aber ich hadere nicht mit der Vergangenheit. Obwohl..., mein Hochschulstudium (Germanistik, Russisch und Theaterwissenschaften) war wirklich unfassbar langweilig, aber selbst das waren keine verlorenen Jahre: ich habe viel geschlafen in der Staatsbibliothek am Englischen Garten und bin nachts viel ausgegangen. Außerdem habe ich meinem Dozenten Roger Willemsen, den ich später zum Fernsehen brachte, die schönste Aussage zu verdanken, die es zum Thema „Yoga“ gibt: „Wir können das Leben nicht verlängern, aber verdichten“

 

WO FINDEST DU DEINE INSPIRATION?

Bei meinen Schülern.

IN WELCHEN MOMENTEN FÜHLST DU DICH LEBENDIG?

Fast immer. Ich organisiere meine Tage ungeheuer effektiv, von außen betrachtet könnte man sicher sagen: pedantisch. Ich lese und schreibe, ich übe und ich unterrichte. Abends koche ich und rede mit meiner Familie. Yoga übe ich jeden Tag, ich meditiere auch jeden Tag. Mir ist klar, wie privilegiert ich lebe auf diese Weise, aber dafür darf ich auch nicht krank werden und arbeite auch nach knapp 20 Jahren immer noch am Wochenende.

WÜRDEST DU GERNE NOCH EINMAL EINE PHASE DEINES LEBENS WIEDERHOLEN?

Nein, warum? Ich kann mich erinnern, wann immer ich will. Zeit ist nicht linear. Ich kann mich heute wie eine sehr alte Frau fühlen und morgen wie ein kleines Mädchen mit Brille, das gerne tanzt. Wie ein Mann an der Bushaltestelle, wie eine Katze im Lavendelbusch. Ich bin aufgewachsen, als es keine Handys gab, keine Ablenkung. Ich kann mich vertiefen. Es klingt ein wenig herablassend und pathetisch, aber so meine ich es nicht. Es ist nur meine Definition von Yoga: Yoga verbindet. Jeder kann das. Wir können uns jederzeit mit allem verbinden.

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