LIEBEVOLLE GÜTE ÜBUNG

Halleluja!

Ich bin ja eigentlich ein recht ausgeglichenes und gut gelauntes Persönchen. Als rheinische Frohnatur sind die Momente, in denen ich in meinem Alltag nach Contenance ringen muss, auch glücklicherweise eher selten anzutreffen. Dennoch gibt es die Momente, in denen ich im Nullkommanichts aus der Haut fahren könnte. Gefühlt würde ich mich dann gerne wie ein kläffender Terrier über den Auslöser meines Gefühlsausbruchs her machen und ihn in 1000 Stücke zerfetzen.

Nein, ich rede nicht von meinen Kindern. Ich rede über das befremdliche  Verhalten von Autofahrern.

DIE BESTIE IN UNS

Erst kürzlich war ich wieder in einer dieser Situationen, in der es nur ein Fünkchen gesunden Menschenverstand gebraucht hätte, um entspannt und diplomatisch eine Lösung für diese verzwickte Verkehrslage zu finden. Aber nein, kaum haben wir eine Karosserie um uns herum und ein Gaspedal unter unserem Fuß, werden wir Menschen doch irgendwie unberechenbar. Wir verändern unser Wesen und lassen die Bestie in uns ans Tageslicht.

Ich persönlich glaube ja, dass unser Körper mit der schnellen Beschleunigung eigentlich gar nicht zurechtkommen kann. Wir produzieren beim Fahren so viel Adrenalin, dass auch unser Aggressionspotential, kaum haben wir den Autoschlüssel umgedreht und das Lenkrad in der Hand, kurz vorm Überlaufen ist.  

Als ich mich also in dieser wirklich absonderlichen Situation befand, meine Halsschlagader eine Größe erreicht hatte, vor der ich langsam Respekt bekam, fiel mir glücklicherweise eine Übung ein, die ich auf meinem letzten Achtsamkeitsseminar kennengelernt hatte. Welch einen Segen, denn so verzog sich dieses achte Weltwunder an meinem Hals so schnell, wie es gekommen war, und ein sanftes Lächeln machte sich in meinem Gesicht und in meinem Gemüt breit.

Hier also meine absolute Geheimwaffe für quere Lebenslagen:

DIE „LIEBEVOLLE GÜTE“ ÜBUNG

  • Konzentriere Dich zunächst auf Deinen Atem und lasse ihn so strömen, wie er strömt.
  • Wenn Du mit Deiner Aufmerksamkeit abschweifst, dann bemerke das wohlwollend und gleichmütig und kehre behutsam wieder zu Deiner Atmung zurück.
  • Denke an jemanden, der Dir nahe steht und dem Du Gutes wünschen möchtest. Denke dabei intensiv an folgende Sätze:
     „Möge es Dir gut gehen, mögest Du glücklich sein, so wie Du bist!“  
  • Bewahre Dir die Fürsorglichkeit und Milde, die in diesen Sätzen liegen, und denke an eine zweite Person: an jemanden, der Dir nicht mehr so nahe steht - vielleicht an einen Kollegen oder an einen Bekannten. (Bei mir war es in diesem Falle der Autofahrer gegenüber.) Sende ihm die gleichen fürsorglichen Wünsche:
     „Möge es Dir gut gehen, mögest Du glücklich sein, so wie Du bist!“
  • Schließlich denke an Dich selbst mit der gleichen Intensität, mit der Du es zuvor für diese beiden Personen getan hast. Sage nun folgende Sätze zu Dir selbst:
     „Möge es mir gut gehen. Möge ich glücklich sein, so wie ich bin. Möge ich Kraft haben, die Dinge, die mir wirklich im Leben wichtig sind, auch zu leben.“

Diese feine Achtsamkeitsübung ist wie ein kleiner Zauberspruch. In Windeseile verfliegen unsere hochgekochten Emotionen und wüste Gedanken können sich aus dem Staub machen. Wir regen uns nicht mehr über unser Gegenüber auf, sondern kümmern uns um uns selbst. Wenn wir die Haltung anderer nicht ändern können, dann ändern wir eben die Eigene. Davon haben alle etwas und am meisten zum Glück wir selbst. 

In diesem Sinne, allzeit gute Fahrt!

 

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